Bundesverdienstkreuz für Rudolf Zawatzky

Der Firmengründer erhält für seine Pionierarbeit und sein Engagement für behinderte Menschen das Bundesverdienstkreuz

 

Bundespräsident Christian Wulff hat in Anerkennung für "herausragendes Engagement" Herrn Rudolf Zawatzky das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

In seinem Gratulationsschreiben an Rudolf Zawatzky schreibt der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier: " Ich freue mich über diese Auszeichnung eines hessischen Mitbürgers und gratuliere Ihnen dazu herzlich. MIt einem Glückwunsch verbinde ich meinen Dank für Ihre verdienstvolle Arbeit zum Wohle und im Interesse unseres Landes und seiner Bevölkerung.

Die feierliche Übergabe fand am Dienstag, den 10. Mai 2011 durch den Landrat des Kreises Bergstraße, Herrn Matthias Wilkens im Mobilcenter Zawatzky in Meckesheim statt.

 

Landrat Matthias Wilkes im Kreise der Familie um Rudolf Zawatzky

 

Auch seinen Söhne Andreas Zawatzky, Geschäftsführer des Mobilcenters Zawatzky, sowie Bernd Zawatzky, der Inhaber und Leiter der Fahrschule Zawatzky, freuen sich über die Auszeichnung, die dem Vater zuteil wurde.
"Unser Vater erfreut sich bester Gesundheit und kommt noch jeden Tag in den Betrieb. Im Alter von heute 74 Jahren genießt er immer noch das Vertrauen der Kunden und die Achtung der Mitarbeiter. Nach fast 50 Jahren Arbeit für behinderte Menschen sind auch wir mächtig stolz auf diese Auszeichnung."

 

Rudolf Zawatzky, geboren am 1. Juli 1936 in Gleiwitz, Oberschlesien, verfolgt seit fast 50 Jahren das Ziel, behinderte Menschen wieder zum Autofahren zu bringen. Als Sohn eines Bäckermeisters lernte er schon im Kindesalter den respektvollen Umgang mit Menschen. Seine berufliche Laufbahn begann er mit einer Ausbildung zum Kfz-Mechaniker bei Horch in Zwickau, dem Stammwerk von Audi. 1955 verließ er die damalige Ostzone. Praktische Erfahrung sammelte er bei verschiedenen Autofirmen in Zwickau, Wiesbaden und Rüsselsheim. Nach einer Ausbildung zum Fahrlehrer entschied er sich, seine Kenntnisse und seine Freude an der Arbeit mit Menschen in dem neuen Beruf weiterzugeben. 1962 eröffnete er zusammen mit seiner Frau Christel Zawatzky eine eigene Fahrschule in Neckargemünd.

 

Hier traf er auch seinen Schulfreund Eberhard Franz, der durch einen Arbeitsunfall beide Arme verloren hatte. Die Energie und die Hartnäckigkeit, mit der sein Freund an der Entwicklung einer Fußlenkung für Ohnarmer arbeitete, beeindruckte Rudolf Zawatzky enorm. Nach Fertigstellung dieses Projekts wurde Herr Franz als erster Behinderter von ihm ausgebildet.

 

Rudolf Zawatzky im Gespräch mit seinem Freund Eberhardt Franz (Ohnarmer)

 

Zeitgleich wurde in der Orthopädischen Klinik in Schlierbach (bei Heidelberg) die erste Spezialabteilung für Querschnittgelähmte in Deutschland eingerichtet. Der Wunsch bei den Verletzten wieder Auto zu fahren, also wieder mobil zu sein, war genauso ausgeprägt wie bei den Nichtbehinderten. Mit eigens für Querschnittgelähmte entwickelten Zusatzeinrichtungen konnten erstmals auch Tetraplegiker in Deutschland Auto fahren. Damals war das eine Sensation und sprach sich in einschlägigen Kreisen und im Europäischen Ausland schnell herum. Viele Behinderte kamen zur Fahrausbildung und zur Kfz-Versorgung zu Rudolf Zawatzky, damals noch in Neckargemünd.

 

1965 führte Rudolf Zawatzky als erste Fahrschule weltweit die Fahrausbildung von Ohnarmern durch. Etwa 180 Contergan geschädigte Menschen aus dem In- und Ausland wurden im Laufe der Jahre ausgebildet. In dieser Zeit wurde die Firma Zawatzky Kfz-Umbauten für Behinderte gegründet.

Seitdem entwickelt und installiert Rudolf Zawatzky zunächst in seiner Garage, danach in einer ersten eigenen Werkstatt in Neckargemünd behindertengerechte Umbauten der unterschiedlichsten Art. Dabei gab es neben den technischen Aufgaben auch Pionierarbeit bei den Technischen Überwachungsvereinen (TÜV), bei den Zulassungsstellen sowie den Kostenträgern zu leisten. Viele Vorurteile und Zweifel mussten ausgeräumt werden, um zu beweisen, dass körperbehinderte Menschen vollwertige und sichere Verkehrsteilnehmer sind.

 

So konnte mit ideeller und fachlicher Unterstützung durch den langjährigen Chefarzt der Abteilung Querschnitt und Direktor der Orthopädie II der Universitätsklinik in Heidelberg-Schlierbach, Herr Prof. Dr. Hans-Jürgen Gerner, gegenüber dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat durchgesetzt werden, das Körperbehinderte, speziell Querschnittgelähmte beim Erwerb eines Führerscheins nicht zwangsläufig eine Medizinisch Psychologische Untersuchung (MPU) machen müssen. Eine unnötige Belastung und Diskriminierung der Betroffenen konnte dadurch abgewendet werden. Das Prozedere beim Erwerb des Führerscheins für diesen Personenkreis wurde wesentlich erleichtert und der Weg zur Mobilität entscheidend geebnet.

 

Auch überregional und international engagierte sich Rudolf Zawatzky auf seinem Fachgebiet, der Mobilität für Behinderte. Er war Initiator und Gründungsmitglied der European Mobility Group (EMG), einer Vereinigung europäischer Umbaubetriebe mit dem Ziel, Europaweite Anerkennung der Fahrtüchtigkeit von behinderten Menschen gegenüber der Gesellschaft und der Politik zu erhalten. Heute hat die EMG Mitglieder aus fast allen Europäischen Ländern. Assoziierte Mitglieder aus den USA, Australien und anderen Ländern vervollständigen die Gruppe.

Er besuchte Fachmessen in Deutschland und in Europa (u.a. 1985 die Messe für Behinderte in Windsor "The Mobility Roadshow". Die Schirmherrin Prinzessin Anne von England war voller Bewunderung über ein umgebautes Fahrzeug von Zawatzky und absolvierte sogar eine Probefahrt.

 

Rudolf Zawatzky mit der Schirmherrin der Messe "The Mobility Roadshow", Prinzessin Anne von England

 

In Deutschland war er Initiator und jahrelang Vorsitzender (bis 2008) des Bundesverbandes der Fahrzeugumrüster für mobilitätseingeschränkte Personen (VFMP), zu welchem heute alle führenden Umbauer gehören.

Ein Quantensprung im Kfz-Umbau war 1986 die Vorstellung eines Autos mit einer Joystick-Lenkung (genannt Linear-Hebel-Lenkung) in Deutschland. Erstmals konnten vielfach Behinderte ein Auto wie ein Flugzeug lenken. Dieses System wird noch heute, z.B. mit elektrischer Kraftübertragung verwendet und war die Grundlage für die Weiterentwicklung zu den heute modernen High-Tech-Lenksystemen.

 

Rudolf Zawatzky mit der ersten Joystick-Lenkung in einem Fahrzeug (1986)

 

Der behindertengerechte Umbau des "Chrysler Voyager" (CenterVan) hat globale Anerkennung gefunden. Auch der weltbekannte englische Astrophysiker Prof. Stephen Hawking fährt in einem umgebauten Chrysler Voyager von Zawatzky.

 

Schüler der Stephem Hawking Schule mit dem Fahrzeug für Prof. Hawking

 

Ebenso wurde das Saudische Königshaus mit einem Umbau beliefert.

Einabu eines Schwenksitzes in einen Mercedes 600 SEL

 

Neben den Individualumbauten wurde schon früh der wachsende Markt für Fahrdienstleister bedient. Durch enge Zusammenarbeit mit den regionalen Organisationen entstand ein weiteres Standbein des Unternehmens. Entsprechend dem Bedarf wuchs der Betrieb und zog 1996 aus Platzgründen nach Meckesheim um. Hier wurde eine große Halle mit Büros erstellt und zwischenzeitlich ca. 35 Mitarbeiter beschäftigt. Um die Kunden im bevölkerungsreichsten Bundesland Nord-Rhein-Westfahlen optimal betreuen zu können wurde im Jahr 2008 eine Niederlassung in Köln eröffnet.

 

Rudolf Zawatzky führt seit 50 Jahren ein "Leben für die Mobilität". Seine Entwicklung von technischen Neuerungen an Fahrzeugen hat die Eigenständigkeit und die Unabhängigkeit behinderter Menschen in Deutschland und ganz Europa erheblich vorangebracht. Mit seinem großen Engagement und seinem unermüdlichen Suchen nach Problemlösungen auf diesem Gebiet hat er nicht nur die Entwicklung einer ganz neuen Branche für die deutsche Wirtschaft gefördert, sondern gleichzeitig die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit für eine behindertengerechte Umwelt gerichtet.

 

Rudolf Zawatzky ist seit 25 Jahren Fördermitglied in der Fördergemeinschaft der Querschnittgelähmten (FGQ). Die goldene Ehrennadel von ADAC und dem Fahrlehrerverband wurden ihm (2010) verliehen.
In seiner Heimatstadt Neckarsteinach (Hessen) ist er langjähriges Mitglied in und Förderer von verschiedenen Vereinen.
Als Sportler hält er sich fit. Das wird durch den insgesamt 27maligen Erwerb des Goldenen Sportabzeichens dokumentiert.

Er ist in seinem Umfeld als Energiebündel und guter Zuhörer bekannt. Nach wie vor berät er seine Kunden mit Begeisterung und Engagement. Als Berater nimmt er an jeder Fachmesse teil. In seiner langjährigen Tätigkeit sind nur wenige Kunden ohne Lösung geblieben.

 

Der Kreis schließt sich:
Seine beiden Söhne sind die Fußstapfen des Vaters getreten. Andreas Zawatzky ist heute Geschäftsführer des Mobilcenters Zawatzky. Er studierte Maschinenbau, zum Teil in den USA. Seit 2003 ist er öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Kraftfahrzeuge, Teilgebiet Behindertenfahrzeuge. Sein Bruder Bernd leitet seit 1995 die Fahrschule Zawatzky in Neckargemünd und führt auch Schwerstbehinderte aus ganz Europa zur Fahreignung. Er ist Behindertenreferent des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg und Mitglied im Arbeitskreis der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.

 

Rudolf Zawatzky mit seinen beiden Söhnen Andreas und Bernd

 

Rudolf Zawatzky ist eine bekannte Größe in der Branche.
Ein Mitarbeiter: "... wenn Herr Zawatzky über die größte Messe für behinderte Menschen, der Rehacare in Düsseldorf, geht, wird er alle zehn Meter angesprochen. Von Kunden, von Wettbewerbern und von der Fachpresse."

Er hat einen Großteil seines Lebens damit verbracht Behinderte zu Eigenständigkeit und Mobilität zu verhelfen. Als Fahrlehrer, Techniker und Unternehmer hat er einen großen Beitrag zur Integration von behinderten Menschen in unserer Gesellschaft geleistet.

 

Für Rudolf Zawatzky hat die öffentliche Anerkennung bisher nie eine große Rolle gespielt. Seine Kraft und seine Motivation hat er durch die Anerkennung und die Dankbarkeit vieler Kunden erhalten. Den Einzug von marketing-orientierten Aktivitäten oder Eitelkeiten verfolgte er immer mit Abstand. Umso mehr freute er sich heute über die Auszeichnung: "das hätte ich niemals erwartet ...." sagte er mit bescheidener Freude. Und nach einer Pause: ".... ohne die Hilfe und Unterstützung meiner Frau wäre das alles gar nicht möglich gewesen"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Rudolf Zawatzky im GEspräch mit einem langjährigen Kunden (Rainer Müller)

 

Familie Zawatzky

 

Auch Tetraplegiker wollten Auto fahren. Heini Köberle, später weltweit einer der erfolgreichsten Behindertensportler.

 

 

         Damals                                                                                                                                                    und heute

 

 

 

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